Die Woche in unserem Dorf

Der Nachbar von rechts schräg gegenüber ist gestorben. Nur 48 Jahre, Junggeselle, hatte schon immer in dem Haus gewohnt zusammen mit seinen Eltern, die noch leben. Der Mann war tief katholisch, alle in der Straße haben jedes Jahr zu Weihnachten eine Karte von ihm bekommen, mit einer Geschichte, die Weihnachten passt. Sonntags hat er die Fürbitten in der Kirche vorgelesen.

Ansonsten war der immer freundlich, nett, hat nie schlecht über andere geredet – weshalb ich ihn besonders gut leiden mochte. Ein grundguter Mensch.

Eigentlich reicht das schon. Das ist wirklich traurig, wenn nette Menschen sterben, weil auf Arbeit einfach tot umgefallen.

Reicht aber nicht.

Heute morgen war ich einkaufen in einem Spezial-Laden 3 Dörfer weiter, auf dem Rückweg fährt ein Motorrad in einen Citroen Berlingo. Vor dem Bus war ein Sportwagen, der links abbiegen wollte, alles bremste, nur die Motorradfahrerin nicht. Das Motorrad jaulte auf wie wenn sie nochmal Gas gegeben hätte und volles Brett in den Berlingo. Beruhigen, warten auf RTW und Polizei, die Tür von dem Haus, vor dem das passiert ist ging sofort auf, es gab einen Stuhl, Glas Wasser, Tempos wegen Nasenbluten und trotzdem. Das ging mir nahe, ich sehe sowas nicht gern. Ich finde das schlimm. Nicht viel passiert aber trotzdem.

Mittags kamen die Nachbarinnen sammeln für die Beerdigung. Nachmittags war ich dann noch unterwegs Blumen für die Beerdigung bestellen und zum Frisör musste ich auch. Als ich wieder kam Steht der RTW vor der Tür, der Notarzt auch und die Polizei. Die Mutter hatten sie mitgenommen. Wenn die Polizei da war, muss ein Delikt vorgelegen haben. Keiner tut einer Mutter in trauer was, ausser der Mutter selber. Der andere Sohn sagte mir später, sie hätten die Mutter mitgenommen. Sie wird versucht haben, sich umzubringen. Würde ich vermutlich auch.

Ich musste noch zu meiner sterbenden Schwiegermutter. Ich habe ihr an ihrem letzten Geburtstag sagen müssen, dass der Mann gestorben war. Sie hatte ihn schon gekannt, als die Mutter noch schwanger mit ihm war. Die anderen waren der Meinung, dass man das meiner Schwiegermutter nicht sagen dürfte wegen selber krank. Wegen dem gleichen Grund meine ich, dass man da nicht lügen darf. Die muss das doch betrauern dürfen. Sie muss doch Mitleid haben dürfen, mit der anderen Mutter, die die Woche ihren Sohn verloren hat. Sie muss das doch beklagen dürfen. Sie muss doch teilhaben können, noch ist sie ja nicht tot. Wie schlimm wäre das, wenn ihr Name an keiner Blume stünde? Das geht nicht, das kann man nicht machen. Das brächte ich im Leben nicht übers Herz.

Alles in allem – Scheißwoche.

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Über osthollandia

Ich bin die Tochter von Engelbert.
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